Mick Rock. The Rise of David Bowie, 1972 – 1973

Autoren: Mick Rock, Barney Hoskyns, Michael Bracewell   Verlag: TASCHEN, Februar 2020  Umfang: Hardcover, 22.6 x 31.6 cm, 2.1 kg, 300 Seiten  ISBN: 978-3-8365-8324-4  Preis: 30 Euro – Ein Beitrag von Julian Dax:

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Eigentlich sollte man mit Begriffen wie „Ikone“ bzw. „ikonisch“ sparsam umgehen, vor allem heutzutage, wo man Zeitgenossen mit Superlativen bedenkt, die es wahrlich nicht verdient haben. (Als besonders abschreckendes Beispiel mag „Poptitan“ für Dieter Bohlen an dieser Stelle genügen!) Doch wenn es jemand bereits zu Lebzeiten verdient hat, als Ikone bezeichnet zu werden, so ist es auf jeden Fall David Bowie.

Zwar gibt es bereits eine riesige Anzahl an Büchern und Bildbänden über diesen Ausnahmekünstler, doch auf die Idee, ausschließlich eine für ihn immens wichtige Periode zu dokumentieren und sich somit auf die Jahre 1972 – 1973 zu beschränken, konnte nur der britische Fotograf mit dem programmatischen Namen Mick Rock kommen, der wohl wichtigste Chronist der ersten Hälfte der Siebziger. Während dieser fünf Jahre ging eine musikalische Revolution von England aus, die sehr schnell das Etikett Glamrock verpasst bekam und zu deren Hauptprotagonisten ein gewisser Davy Jones gehörte, der sich in David Bowie umbenannte und von da an nicht mehr zurückblickte.

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In der aktuellen deutschen Ausgabe des Rolling Stone vom März 2020 schreibt die Autorin Jenni Zylka in ihrer Titelgeschichte über den Glamrock: „Bowies Ziggy Stardust-Album von 1972 beginnt mit einem träumerisch gebrochenen Lied mit dem Titel Five Years. Das ist Zufall. Andererseits war der Mann schließlich in jeder Beziehung ein Visionär.“

Mick Rock, zu dessen Klienten u.a. auch Lou Reed, Queen, The Stooges oder Blondie gehörten, hatte nun das besondere Glück, in Bowie nicht nur einen Klienten gefunden zu haben, sondern gleichzeitig auch einen Freund, der ihm völlig vertraute und deshalb auch ungehinderten Zutritt praktisch überall hin und in allen Lebenslagen gestattete.

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In dem Interview, das The Rise Of David Bowie 1972 – 1973 enthält, äußert sich Rock folgendermaßen. „Er schien meine Fotos von Anfang an gemocht zu haben.(…) Jedes Bild hatte einen gewissen Zauber. Er sah sie durch und sagte zu seinem Manager: „Mick sieht mich so, wie ich mich sehe.“  Ich war natürlich hoch erfreut, das zu hören, denn mir war es wichtig, dass er sie wirklich mochte. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er mir je gesagt hätte, wie ich ihn fotografieren soll. Das Gleiche gilt für die Videos, die wir gedreht haben: Life on Mars?, Space Oddity, The Jean Genie und John, I’m Only Dancing. Ich lernte eine Menge, indem ich ihn nur beobachtete und ihm zuhörte. Und in meinem Hinterkopf war dabei stets die inspirierende Musik, die die kreative Energie erzeugte, die um ihn herumwirbelte.“

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Es ist im Grunde genommen erstaunlich, aber Rock gelingt es, in seinen oft an Schnappschüsse gemahnenden Fotos, den Menschen hinter der Kunstfigur mit all der Schminke und den exotischen Kostümen sichtbar zu machen. Da gibt es z.B. ein Bild, das Bowie und seinen Gitarristen/Arrangeur Mick Ronson in ihren glamourösen Kostümen beim Mittagessen in einem Speisewagen der British Rail zeigt, und von dem Rock sagt, es sei eine seiner bekanntesten und beliebtesten Fotografien überhaupt.
Auch wenn man eventuell schon Mick Rocks in den Jahren 2002 und 2005 erschienenen Bildbände Moonage Daydream bzw. Blood And Glitter besitzen sollte, in denen sich bereits etliche der hier versammelten Fotos befinden, ist The Rise Of David Bowie 1972 – 1973 dennoch unverzichtbar für jeden Fan und kann zudem auch noch mit dem für diese Ausstattung sehr moderaten Preis von 30 € absolut überzeugen.

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